Eine kurze Geschichte über die Selbstständigkeit, bedingungsloses Grundeinkommen und Lebensmittelspenden | House of Wolf

Eine kurze Geschichte über die Selbstständigkeit, bedingungsloses Grundeinkommen und Lebensmittelspenden

Ich weiß nicht ob ihr es wisst, ich weiß noch nicht einmal ob ich das je so deutlich geschrieben habe: ich bin selbstständig. Seit zwei Jahren arbeite ich an meinem Unternehmen und versuche es voran zu bringen.

Eine kurze Geschichte über die Selbstständigkeit, bedingungsloses Grundeinkommen und Lebensmittelspenden | House of Wolf

Jetzt nach zwei Jahren und viel Arbeit muss ich feststellen, meine privaten Ersparnisse sind aufgebraucht. Kein Geld mehr da um Miete, Essen oder sonst etwas zu bezahlen. Mein Unternehmen ist auch nach zwei Jahren immer noch am Anfang, nicht mehr am Startpunkt, aber auch noch nicht mittendrin. Das dauert also noch, bis ich davon leben kann.

Also habe ich fast drei Monate gesucht, nach einem 450-Euro-Job, um noch Zeit für meine Firma zu haben und sicheres Geld nach Hause zu tragen. Drei Monate hat es gedauert, da der Markt zur Zeit echt nicht gerade überschwemmt ist, mit Angeboten für Minijobber.

Letztlich bin ich fündig geworden und schufte mir also nicht nur an meinem Schreibtisch den Arsch ab, sondern auch anderweitig. Dort gebe ich meine Zeit und Kraft für ein anderes Unternehmen her, dass nicht mein eigenes ist. Aber ich nehme sicheres Geld mit nach Hause.

Ich hatte so sehr gehofft, dass bis mein Konto endgültig leer ist, ich genug für die Miete, aus meiner Selbstständigkeit ziehen kann. mh…

Ein Grund, warum ich mich selbstständig gemacht habe, ist der dass ich es satt hatte, meine Energie in andere Unternehmen zu stecken. Aufgaben abarbeiten, die mir nichts bringen, sondern nur der Firma in der ich angestellt bin, nutzen. Und noch dazu eine Arbeit zu haben, die ich nicht mag und nur des Geldes und der Beschäftigung wegen zu behalten, dass habe ich nicht eingesehen.

Zum Glück habe ich viele Leute, die mir helfen und mich unterstützen, meine Mutter, mein Vater, mein Bruder, mein Freund, meine Freunde. Sie alle haben schon so viel getan, wofür ich ihnen unendlich dankbar bin. Ohne sie hätte das nicht funktioniert, meinen Traum in die Tat umzusetzen und mein eigenes Modelabel zu gründen.

Natürlich habe ich es mir leichter vorgestellt, als es in Wahrheit ist. Allein meine naive Hoffnung, nach zwei Jahren genug zu verdienen, um nicht weiter von erspartem leben zu müssen, war eben einfach nur naiv.

Nun muss ich also mit zwei Jobs klarkommen. Nicht immer muss ich den ganzen Tag, in diesem anderen Unternehmen verbringen. Es gibt auch Schichten, die nur einen halben Tag beanspruchen, aber meinem Kopf fällt es schwer, sich dann im Anschluss auf andere Dinge zu konzentrieren. Nachdem ich sieben und eine halbe Stunde außer Haus war, bin ich schon ziemlich ausgelaugt und würde am liebsten nichts mehr tun. Doch es hilft nichts, um Arbeit fertig zu bekommen muss man eben auch arbeiten.

Ich weiß, dass auch viele andere Menschen in Deutschland zwei Jobs haben, um um die Runden zu kommen. Auch mit einem Fulltime-Job reicht das Geld oft nicht, für das tägliche Leben, für Grundbedürfnisse. Viele Leute müssen sechs Tage die Woche arbeiten und am siebten Tag wartet die Wäsche und der Haushalt. Da bleibt wenig um einmal durchzuatmen und Pausen einzulegen.

Schon lange mache ich mir Gedanken, wie es wäre, wenn Deutschland nicht nur einen Mindestlohn, sondern auch ein bedingungsloses Grundeinkommen bieten würde. Erst letzte Woche habe ich einen Beitrag gesehen, in denen Menschen gezeigt wurden, die hart an der Grenze leben müssen (in der NDR Mediathek zum anschauen). Sie müssen hungern, weil das Geld gerade so für die Miete reicht. Sie sind angewiesen auf Spenden und kostenloses Essen. Essen, dass Supermärkte sonst wegwerfen, da das Mindesthaltbarkeitsdatum fast überschritten ist. Eine war eine Rentnerin, einer war Student und eine eine allein erziehende Mutter.

In Frankreich gibt es seit einiger Zeit ein Gesetz, welches den Supermärkten verbietet, Lebensmittel wegzuwerfen. Unverkäufliches müssen sie kostenlos an Bedürftige geben. Große Märkte sind verpflichtet, Essen gemeinnützigen Organisationen zukommen zu lassen.

Es ist Wahnsinn, wie viel gutes Essen täglich weggeworfen wird, nur weil das Datum darauf nicht mehr gültig ist. Es ist sehr schade, wie so mit unseren Ressourcen umgegangen wird. Auf der Seite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft findet ihr noch einen Haufen mehr Informationen, zum Thema wie viel tatsächlich im Müll landet (jedes achte Lebensmittel!).

Aber noch einmal zu dem bedingungslosen Grundeinkommen zurück zukommen: Ich finde nicht, dass es bedingungslos sein muss, man sollte schon für sein Einkommen arbeiten müssen. Dennoch die Idee, dass jeder in Deutschland ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Tisch hat, das finde ich äußerst erstrebenswert. Seit Jahren ist das Grundeinkommen Thema, welches viele Leute beschäftigt und zu dem es auch schon Finanzierungsmodelle gibt. In einigen anderen Ländern gab es sogar schon Testläufe, die positiv wie auch negativ ausgefallen sind.

Vielleicht habe ich jetzt mehrere Themen in einen Topf geworfen, die auf dem ersten Blick weit auseinander liegen, aber irgendwie hängt am Ende immer alles am lieben Geld. Man braucht bestimmt nicht viel zum Leben und je weniger man hat, desto mehr wird man sich darum bewusst. Es gibt aber eben auch die Leute die um ihre Existenz bangen müssen, da harte Arbeit nicht immer ausreicht, um sich ernähren zu können.

Habt ihr euch schon einmal mit den Themen auseinandergesetzt? Bedingungsloses Grundeinkommen? Noch gute Lebensmittel, die in dem Müll geworfen werden? Menschen, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind?

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5 Gedanken zu “Eine kurze Geschichte über die Selbstständigkeit, bedingungsloses Grundeinkommen und Lebensmittelspenden

  1. Aurian schreibt:

    Mh, weiss nicht so richtig, ob ich das jetzt hier schreiben soll … aber ich mach einfach mal: Ich lebe seit 13 Jahren in den USA und was ich hier sehe, ist wirklich kein Vergleich zu europaeischen Standarts. Das Sozialsystem hier ist alles andere als erstrebenswert und jeder Beduerftige hier wuerde sich nach sowas wie Harz IV alle Finger lecken. Der Mindestlohn fuer Angestellte, die Trinkgelder bekommen, liegt z. B. bei 2,13 $ pro Stunde … fuer eine ordentliche Mahlzeit muss man also ganz schoen lange arbeiten.

    Ich finde es gut, wenn man sich fuer bessere Lebensbedingungen einsetzt aber ich finde es auch gut und richtig, wenn man sich mal vor Augen haelt, wie gut (nicht perfekt) manche Dinge in Europa/Deutschland auch schon sind. Manchmal geht mir das irgendwie verloren.

    In Sachen Lebensmittelverschendung: das gehoert wirklich verboten. An vielen Sachen ist der Konsument mitschuldig. Wenn man z. B. beim Baecker nicht jederzeit die Auswahl an 10 verschiedenen Broetchen und 34 Brotsorten haben wollte und das zu jeder Tages- und Nachtzeit, dann wuerde am Abend nicht so viel weggeworfen werden muessen. Alles was uebrig bleibt, koennte oder sollte man m. E. an Beduerftige abgeben. Aber eigentlich waere es noch besser, wenn man von Anfang an weniger produziert und damit Resourcen spart. Dummerweise ist die Industrie und der Handel aber immer auf ‚MEHR‘ programmiert und daher wahrscheinlich nicht gerade kooperativ.

    Und noch ein Wort in Sachen Selbstaendigkeit: Ich kann mich derzeit auch nur ueber Wasser halten, weil mein Gatte genug Geld ranschafft. Ich drueck Dir die Daumen, dass es bei Dir auch wieder bergauf geht. Vielleicht mal eine neue Marketingstrategie ausprobieren? Mehr Leute auf Dich und Dein Produkt aufmerksam machen?

    Liebe Gruesse, ivonne

    Gefällt 1 Person

    • stephiehouseofwolf schreibt:

      Du hast mit allem recht was Du schreibst! Wir/ich in Deutschland haben es sher gut und die wenigsten wissen es zu schätzen. Ich weiß, dass es mir gut geht und es mir an (fast) nichts fehlt. Im Grunde habe ich nur Luxusprobleme, wie auf Urlaub verzichten zu müssen. Trotzdem macht mir dieses ganze Thema Geld ziemlich zu schaffen und ich kann auch nur Miete und Essen zahlen, dank meines Freundes, der genug für uns beide verdient (genau wie bei Dir).

      Und diese ganze Überproduktion die Du angesprochen hast, finde ich auch richtig schlimm. Nur weil mehr meist günstiger in der Produktion ist, wird zu viel gefertigt und letztendlich nur weggeworfen. Am liebsten habe ich immer noch die kleinen Supermärkte, die von jedem zwei verschiedene Produkte im Regal haben. Das ist doch eigentlich schon genug Auswahl…

      Danke für deinen langen Kommentar.

      Liebe Grüße
      Stephie

      Gefällt 1 Person

      • Aurian schreibt:

        Ich wuesste jetzt gar nicht, wo man diese kleinen Laeden eigentlich noch findet. Aber ja, eine uebersichtliche Auswahl an Produkten reicht mir auch. Das wuerde vor allem das Einkaufen extrem beschleunigen. Diese ewige Rumsucherei, was man eigentlich aus dem grossen Sortiment will, nervt mich.
        Liebe Gruesse, ivonne

        Gefällt 1 Person

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