Kleidung Made in Germany - Pros und Cons; Fair Fashion; House of Wolf

Kleidung Made in Germany – Pros und Cons

In diesem Artikel soll es um die Herkunft unserer Kleidung gehen. Es ist ein sehr komplexes Thema, dem ich, durch die paar Zeilen, nicht gerecht werden kann. Es ist auch ein politisches und wirtschaftliches Problem. Am besten beginne ich bei dem Punkt, der mich wieder zum Nachdenken darüber gebracht hat:

MadeInGermany

YouTuber und ihr eigenes Modelabel?

Ich verfolge eine deutsche YouTuberin, die sich jetzt ihren Traum erfüllt und selbst ein Modelabel gründet. Sie kommt nicht aus der Branche und hat sich dort durch andere Wege eingefunden. Keine Frage, ich freue mich für sie, sie erfüllt sich einen großen Traum, dass finde ich super. Ihr könnt euch denken, da gibt es ein Aber für mich:

Sie hat noch nicht viel erzählt, von ihrer Mode oder von ihrem Label, aber aus ihren Videos weiß man, sie ist nach China und in die Türkei geflogen, um dort für ihr Label zu arbeiten. Man hat deutlich gesehen, sie lässt zumindest ihre Samples (Musterteile) dort produzieren.

Jetzt ist für mich das Enttäuschende dabei, sie kommt aus Deutschland, hat durch ihren YouTube-Channel schon ein großes Publikum und viele potenzielle Kunden und trotzdem hat sie sich entschieden, nicht in Deutschland produzieren zu lassen…
Ich glaube ihre Zuschauer wissen Qualität zu schätzen und würden mehr Geld ausgeben als 10 Euro pro T-Shirt. Ich glaube sie könnte es sich erlauben die Gehälter von deutschen Näherinnen zu bezahlen. Ich glaube sie würde ihr Geld wieder erwirtschaften.

Es ist für mich immer wieder unbegreiflich, wie man über die Situation in ausländischen Nähereien bescheid wissen kann und trotzdem dort produzieren lässt. Gerade wenn man ein neues Label aufbaut, ist die Möglichkeit da, in seinem Heimatland zu bleiben und hier die Wirtschaft und das Handwerk zu unterstützen.

Der Zoll-Kodex macht es für Mode-Firmen leicht

Jetzt ist das natürlich nicht so einfach: Ich suche mir eine Näherei in Deutschland und schon kann ich Made in Germany drauf schreiben. Laut „EU-Recht“, der Zoll-Kodex, könnte ich das machen, aber schaut man sich das ganze genauer an, ist das plötzlich ein Wirrwarr von undurchsichtigen Produktionsketten.

Ich habe zum Beispiel als Aushilfe bei einer Firma gearbeitet, die Billig-Klamotten verkauft. Auf den Etiketten schreiben sie „Made in Italy“. Da freut sich der Kunde und denkt „Ui toll, das 1 Euro Top ist in Italien, in der Nachbarschaft, hergestellt worden“. Nope! Dieses Teil wurde in China genäht! Vielleicht wurde es in Italien verpackt, Etikettiert und vielleicht wurde dort sogar der Feinschliff am Produkt vorgenommen – aber genäht wurde es in Fernost.
Genau das ist das Problem von diesem EU-Recht: Es ist so wage formuliert und sagt nur aus, dass wenn mehrere Länder an der Produktion beteiligt waren, das letzte Land, dass den maßgeblichen Schritt zur Fertigstellung des Produkts, getan hat, als „Produktionsland“ gilt.

Zur Herkunft der Kleidung kam die Tage auf Arte die Sendung „Vox Pop“, in dem genau alle wichtigen Punkte durchgegangen wurden, warum das so schwierig ist mit der Bezeichnung „Made in…“. In diesem Beitrag wurde der Generaldirektor des französischen Modeinstituts interviewt. Er hat gesagt, wenn nur die Knöpfe auf eine Knopfleiste eines Kleidungsstückes genäht werden, in Frankreich, dann dürfen sie eigentlich nicht „Made in France“ auf ihr Label schreiben und können dafür sanktioniert werden – aber ganz ehrlich, es gibt niemand, der das kontrolliert oder gar zur Anzeige bringt.

Auf jeden Fall ist das Augenwischerei und Irreführung der Kunden und man kann sich denken, die Wirtschaft, die großen Firmen, wollen das auch nicht anders. Die wollen kein einheitliches Gesetz, dass das präziser bestimmt, denn die Kunden sind inzwischen so sensibilisiert was das Thema angeht, die möchten kein „Made in Bangladesh“ auf der Kleidung sehen.

Weiterlesen: Fair Fashion – Gedanken und Tips für den eigenen Konsum

Made in IS?

Ehrlicherweise, muss ich aber noch genauer auf die Herkunft eingehen: Nur weil ein Teil zusammengenäht wurde in Deutschland, weiß man noch lange nicht wo der Rest herkommt.
Gerade Heute ist das Problem auch zu einem politischen Thema geworden.
Der kurze Beitrag bei „Vox Pop“ hat das deutlich gemacht:
Syrien gehörte zu den drei größten Baumwollproduzenten auf der Welt. Die Baumwollfelder stehen heute zum größten Teil im IS kontrolliertem Gebiet. Vox Pop hat also gesagt: kauft man Kleidung deren Rohstoffe aus Syrien kommen, unterstützt man den IS, deswegen wäre es für den Konsumenten wichtig, genau zu wissen, wo die Baumwolle herkommt.

Ganz so einfach kann man das natürlich nicht sagen, dass lässt sich nicht so pauschalisieren. Durch den Kauf von Baumwolle aus Gebieten, die unter IS Kontrolle stehen, unterstützt man nicht nur die Terroristen, sondern die Bauern, die die Felder bewirtschaften. Was sollten sie tun ohne ihre Arbeit? Sollten wir dort gar nichts mehr kaufen, was sollen die armen Leute dann machen?

Klar ist auch, dass man nicht weiß wie viel diese Arbeiter noch von dem erwirtschafteten Geld sehen, es ist natürlich eine große Einnahmequelle der IS, aber ich muss immer auch an die Menschen denken, die mit dem ganzen Irrsinn nichts zu tun haben, die Bevölkerung von Syrien.
Aber vielleicht sollte man doch, eben gerade auf diesem Weg, den Terroristen den Geldhahn zudrehen!? Ich weiß es nicht.

Lange Produktionsketten, auch bei meiner Kollektion

Abgesehen von den Rohstoffen, die Produktion der Kleidung geht natürlich weiter. Die Baumwolle wird in ein anderes Land transportiert, welches Garne daraus fertigt. Die Garne gehen ihren Weg weiter, um als Stoff verarbeitet zu werden und wieder in einem weiteren Land wird der Stoff gefärbt. Und irgendwann wird dann ein Kleidungsstück daraus gefertigt.

Ich bin ganz ehrlich: Bei meiner Kollektion kommt nicht alles aus Deutschland. Die Stoffe sind auch weitestgehend aus der Türkei (auch die Rohstoffe), aber da diese GOTS-Zertifizierung haben weiß ich bei denen, dass sie unter fairen Bedingungen hergestellt wurden.
Trotz der Kosten (oder vielleicht auch gerade deswegen…) habe ich mich ganz bewusst dazu entschieden, mir eine Produktionsstätte in Deutschland zu suchen. Ich wollte am Ende ehrlich sagen können: Meine Kollektion ist „Made in Germany“.
Noch vor 50 bis 60 Jahren war das ein Gütesiegel erster Klasse. Das Ausland hat sich die Finger danach geleckt etwas aus Deutschland zu bekommen. Aber irgendwann ist es den Firmen zu teuer geworden. Der Profit war nicht groß genug, der Gewinn hat nicht ausgereicht, die Kosten waren zu viel. So gehen viele Unternehmen unter oder weg aus der Heimat und nicht nur die Qualität leidet darunter, sondern auch die heimische Wirtschaft.

Auch im Ausland gibt es gute Produktion

Um zum Anfangspunkt zurück zu kommen: Ihr dürft nicht glauben, dass ich nicht weiß, dass man auch im Ausland gut und teuer produzieren lassen kann. Ich weiß das! Vor allem die Türkei ist wieder ein Anlaufort für Qualität und faire Preise geworden. Aber wie gesagt, ich möchte gerne die Menschen hier, in meiner Nähe, unterstützen und auch sicher sein, dass wenn mein Besuch in der Nähstube vorbei ist, dass die Bedingungen sich trotzdem nicht ändern.

Auch weiß ich, dass nicht alles möglich ist in hiesigen Produktionsstätten. Von einem befreundeten Label weiß ich, dass sie in Portugal finden konnten, was sie gesucht haben. Dort bekommen sie die Veredelung und Bearbeitung ihrer Textilien und Kleidungsstücke, die sie gesucht haben. In diesem Unternehmen haben sie die Möglichkeit alles aus einer Hand zu bekommen, nicht nur die Produktion sondern vor allem die Aufbereitung der Stoffe. Sie produzieren fair und biologisch. In diesem Fall und bestimmt auch in einigen Anderen, ist dass vollkommen toll, außerhalb Firmen zu unterstützen und dort die Zusammenarbeit zu suchen.

Der Preis für die Fertigung in Deutschland

„Made in Germany“ heißt für meine Kollektion, dass sie natürlich nicht für Jedermann erschwinglich ist, beziehungsweise so ein Stück daraus kauft man sich nicht jeden Monat, aber dennoch sind meine Preise gerechtfertigt. An erster Stelle stand für mich, dass sie eine gute Qualität haben und ich euch nichts billiges verkaufe, auch deswegen ist meine Kollektion in Deutschland gefertigt und zu einem großen Teil aus Bio-Baumwoll-Stoffen hergestellt. Sie hat viele Details, die man auf dem ersten Blick nicht erkennt und sich dann auf dem Zweiten darüber freut. Ich habe auch keine 1000 Stück die ich anbieten kann, dafür ist sie exklusiver und ihr könnt sicher sein, dieses Teil haben nicht viele in ihrem Kleiderschrank hängen. Es ist eine Designer-Kollektion, die es so kein zweites mal geben wird.

Fazit

Wie sagt man so schön „eine Medaille hat immer zwei Seiten“ – jeder muss für sich selbst entscheiden, nach welchen Kriterien er sein Unternehmen aufbaut und vor allem nach welchen Gesichtspunkten er seine Kleidung einkauft.

Mit dem kurzen Text, habe ich natürlich nur die Oberfläche des Themas gestreift. Die Sache mit der Herkunft und „Made in…“ ist ein endloses und weitreichendes Problem. Ich hoffe ich konnte einige Punkte dazu euch nahebringen. Ich hoffe auch, dass der Post nicht zu verwirrend geschrieben ist, ich wollte mir einfach mal gerne etwas von der Seele schreiben 😉

Wie handhabt ihr das – interessiert ihr euch für das Herkunftsland eurer Kleidungsstücke?
Weiterlesen: Hier, ein Artikel von Leuten aus der Modebranche
Weiterlesen: Ein Artikel zum „Bündnis für nachhaltige Textilien“
Weiter schauen: Die Arte Sendung Vox Pop, leider nur noch bis nächste Woche online. Wenn ich diesen Beitrag anderswo finde werde ich ihn nachträglich verlinken.

PS: Wer muss bei „Made In Germany“ noch an Rammstein denken^^?

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2 Gedanken zu “Kleidung Made in Germany – Pros und Cons

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